Leben und Werk

Alfred Traugott Mörstedt wurde am 15. März 1925 als Sohn eines Artisten in Erfurt geboren. Als Panzerfunker zog er ab 1943 in den Zweiten Weltkrieg, erlitt 1945 eine schwere Verwundung und kehrte nach Erfurt zurück. 1947/48 besuchte Mörstedt die Meisterschule für angewandte Kunst in Erfurt. Es folgte ab 1948 ein Studium an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar bei Professor Hermann Kirchberger und Professor Otto Herbig. Durch seinen Professor Hanns Hoffmann-Lederer bekam Mörstedt die Klee’sche Formenlehre vermittelt. Mit der Gründung der DDR wurden Umstrukturierungen im Hochschulwesen vorgenommen, aber auch der damalige stalinistisch-sozialistische Kunstbegriff durchgesetzt. Wegen politisch nicht opportuner Ansichten im Rahmen der sog. Formalismus-Debatte wurde Mörstedt von der Hochschule verdrängt und musste sein Studium an der stärker kunsthandwerklich orientierten Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee fortsetzten.

Nach seinem Studium in Erfurt, Weimar und Berlin ließ sich Mörstedt wieder in Erfurt nieder und war ab 1952 als Gebrauchswerber tätig. Daneben beschäftigte er sich mit der Kunst und Technik des Batikens. Einige Studienaufenthalte in der Rhön bei dem Batik-Altmeister Richard Dölker gaben hier wichtige Impulse. Ab 1954 war Mörstedt als Entwurfsgestalter in der vogtländischen Textilindustrie tätig. Berufliche Tätigkeit und künstlerische Absichten ließen sich in der Beschäftigung mit der Batik miteinander verbinden, denn abstrakte Formengebilde konnten hier weitgehend frei von staatlichen Repressionen erprobt werden.

Erste Druckgrafik findet sich in Mörstedts Oeuvre Mitte der sechziger Jahre. Ab 1960 arbeitete Mörstedt freischaffend als Kunsthandwerker, Maler und Grafiker in Erfurt. Mörstedt befand sich jedoch in einer Situation, die kaum eine Ausstellungsmöglichkeit von öffentlicher Seite vorsah. Daher traf er sich mit befreundeten Künstlern 1963 im Atelier des Bildhauers Waldo Dörsch in der Neuwerkstraße 29 (Haus Weinreiter) in Erfurt, um eigenständig Ausstellungen zu planen. Die aus diesem Treffen hervorgegangene „Erfurter Ateliergemeinschaft“ eröffnete am 15. Dezember 1963 ihre erste Ausstellung mit Arbeiten von Waldo Dörsch im ehemaligen Dachatelier von Rolf Dieß. Ziel der Gemeinschaft war es, sich mit den Werken und künstlerischen Ansätzen von Kollegen und ästhetischen Fragestellungen in Ost und West auseinander zu setzen. Gezeigt werden sollten Künstler, die, ähnlich wie Mörstedt, im offiziellen Kulturbetrieb der DDR nicht ausstellen konnten. Im Zeitraum von 1964 bis 1974 realisierte die Ateliergemeinschaft insgesamt 45 Ausstellungen non-konformer und kritischer Kunst. Zudem wurde in jedem Jahr eine Grafikmappe erstellt. Sie schuf damit ein einzigartiges Modell einer selbstbestimmten Produktions- und Künstlergalerie in einer Zeit, die von kulturpolitischen Repressionen bestimmt war.

Informationen zu Tätigkeiten, Ereignissen und dem Personenkreis um Mörstedt wurden ab 1976 vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit der Einleitung eines „Operativen Vorganges“ unter dem Deckname „Graphik“ beobachtet und festgehalten. Dennoch arbeitete Mörstedt weiter an seinem grafischen Werk und veröffentlichte in den kommenden Schaffensjahren bis in das Jahr 2005 eine Vielzahl an Werkverzeichnissen und Künstlerbüchern. Erst 1996 erfolgte durch das Landesamt für Rehabilitierung und Wiedergutmachung die Anerkennung als politisch Verfolgter.

Bis zuletzt arbeitete Mörstedt an seinen Bildfindungen. Das Künstlerbuch „Die Verbeugung nach dem Salto mortale“ konnte nicht mehr in der vorgesehenen Auflage vollendet werden. Mörstedt wurde mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt. Hierzu gehören der Kulturpreis der Stadt Erfurt 1997 und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1998. Der Künstler verstarb im Alter von 80 Jahren am 8. April 2005 in Erfurt.

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Alfred Traugott Mörstedt – Wikipedia-Beitrag